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Rückblick - Verabschiedung in Dillingen

muller.JPGsaardom.JPGZugegeben. Es liegt wohl schon ein paar Wochen zurück. Aber ich kam einfach noch nicht dazu und wollte es auch nicht so wirklich an mich heran lassen, die Fotos und damit die Worte und lieben Menschen, die an mich herantraten, auch so dicht heranzulassen. Doch nun, am 1. Oktober 2009 blicke ich zurück auf die Verabschiedung vom 12. Juli 2009.

Alles begann schon am Samstagvorabend, dem 11. Juli 20gemeinde.JPG09 mit einer Exodusparty im Garten. Rund 80 Gäste waren der Einladung gefolgt, von  allen drei Schulen in Saarlouis, von den Pfarreien, Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Freunde, Bekannte - Menschen, die mir etwas bedeuten. Es war ein schöner, gelungener Abend im Garten, während mein Pfarrhaus ja schon fast leer stand.

muller_action.JPGAm Sonntagmorgen feierte ich zunächst in St. Johann in Dillingen das Hochamt und verabschiedete mich dort von “meinen” Sankt Johannern… mit denen ich in den vielen Jahren immer auch und vor allem die Kar- und Ostertage gefeiert habe.

rossler.JPGAm Sonntagabend dann ein großer Höhepunkt: Abschied vom Saardom in Dillingen. Weit über 1100 Menschen waren gekommen: Aus Bad Kreuznach, aus Neuwied, aus Dortmund, aus Saarwellingen und Saarlouis, aus Dillingen und vielen Orten des Saarlandes, aus Trier, aus der Eifel, aus Saarbrücken bis Ludwigshafen und Mainz. Beeindruckend! Dankbar mit vielen Ministrantinnen und Ministranten, einigen Konzelebranten zogen wir in das Gotteshaus ein. Ich lasse die Bilder nun für sich sprechen, die ein lieber junger

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Freund, nämlich Simon Oos (Abiturient des RSG) gemacht hat.

Doch erwähnen möchte ich, dass meine beiden Brüder Thomas und Michael mit ihren Familien anwesend waren - sie kamen im übrigen auch Monate später nach Admont zur Einkleidung. Und ein besonderer Künstler war zugegen: Tobias Rössler. Man kennt ihn von “Deutschland sucht den Superstar”. Er sang drei geniale Songs, die ich so rasch nicht vergessen werde.

Der Gottesdienst wurde musikalisch vom “Der andere Chor” unter der Leitung des Chorleiters und Organisten Thomas Bernady gestaltet. Einfach genial! Vielen lieben Dank euch allen! Und jetzt einfach ein paar Bilder, die für sich sprechen.messdiener.JPG

muller-sprechend.JPGmuller-weihrauch.JPGRund 1200 Menschen sind gekommen, um den Gottesdienst mitzufeiern. Ich bin beeindruckt. Der Dom ist brechend voll!

Nach außen wirke ich emotional gefasst. In der Tat: Es war kein Trauergottesdienst, es war ein freudiges Abschiednehmen, voller Dankbarkeit!Die Messdiener, die sich an der Tür aufstellten, waren von vielen verschiedenen Orten, auch von meinen bisherigen Pastoralstellen angereist. Eine besondere Wertschätzung! Danke!  Die Festlichkeit durch Weihrauch und eine zweistündige Liturgie ließ nichts zu wünschen übrig! Gesangesfreudig wie die Saarländermuller_lessel.JPG sind, brachten wir unsere Töne zur Ehre Gottes dar und erfreuten uns am Schall der Stimmen im Dom. Auf dem Bild chor.JPGist auch mein erster Heimatpfarrer, Hans-Josef Lessel, zu sehen. Mein geistlicher Vater, wenn ich das mal so sagen darf. Ich war stolz darauf, dass er gekommen ist.

Hier ein Bild vom Chor auf  der Orgelempore. Klein - aber ohhooo! Klar und präzise im Gesang. Eine Bereicherung - wie schon so oft!

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Der Diakon, Manfred Debong, zeigt das Evangeliar - Christus im Sakrament des Wortes, hoch erhoben - im Zentrum unseres Glaubens.mitbruder.JPG

Besonders gefreut habe ich mich über die Mitbrüder, die extra angereist kamen, unter ihnen auch mein langjähriger geistlicher Begleiter, der Franziskaner P. Johannes Küppers OFM aus Hermeskeil und mein erster pastoraler Chef, Pfarrer i.R. Johannes Rochwalsky, der eigens aus Bad Mergentheim angereist kam.

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Gebannt hören die Messdiener bei der Predigt zu. Gut, dass es mal ein Foto davon gibt, denn als Prediger sieht man ja nie oder nur selten, was hinter dem eigenen Rücken geschieht…

Der Saardom… ich werde ihn immer in guter Erinnerung behalten! Die einzelnen Menschen, wie diese ältere betende Dame. Aber auch meinen geschätzten ehemaligen Heimatpfarrer Hans-Josef Lessel.

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Ein letzter Blick, ein letztes Wort durchs Mikro. Auf Wiedersehen, Dillingen!

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In Admont angekommen

dscn1968.JPGNun bin ich also da. In Admont in der Steiermark. Das schöne “Klösterreich” hat mich liebevoll aufgenommen. Die ersten Tage waren ruhig verlaufen.

Montag, 13.7.2009
Großes Ausräumen ist angesagt. Die letzten Möbel werden abgeholt, Wohnzimmercouch und Sessel, Tisch und Kühlschrank. In der Küche wird fleißig geputzt. Alles an Kisten - es werden immer mehr!!! - landen im kleinen Räumchen direkt neben der Haustür.
Mittagessen in einer Pizzaria. Es kommen noch Freunde aus Bad Kreuznach um Abschied zu nehmen. Alles ist ein wenig gehetzt.
Am Nachmittag wird der Ford Galaxy gepackt. Schrecken! Es geht nicht alles rein. Kurzerhand Anruf bei einem Freund. Er leiht uns einen 3,5 Tonner Lieferwagen aus. Gott sei Dank. Den gibts aber erst am Dienstag.
Gemütlicher Abend bei Freunden in Saarwellingen. Der Lokalredakteur der SZ kommt noch, langes Interview zum Schluss, meine letzten Worte sozusagen.

Dienstag, 14.7.2009
Nach einem kurzen Frühstück reise ich ab. 9.00 Uhr verlasse ich das Saarland. Gegen Mittag höre ich, dass meine Freunde in Saarwellingen den Lieferwagen bepackt haben. Dort geht es um 13 Uhr los. Ich lande gegen 17 Uhr nach einer guten Fahrt in Admont. Werde herzlich willkommen geheißen. Eine Schachtel Pralinen vom Pater Prior und Pater Novizenmeister wartet auf mich, eine Grußkarte von meinem Zimmernachbarn, und bereits zwei Willkommensbriefe. Tat echt gut.
17.45 Uhr dann Vesper im Konvent. Alles vertraut.

Am späten Abend (23.00 Uhr) kommen meine Freunde endlich und unbeschadet mit dem Lieferwagen an. Wir stärken sie mit einem Willkommensschnaps und einem leckeren Essen. Bettruhe. Genug für heute.

Mittwoch, 15.7.2009
Ich packe es nicht für das Frühgebet. Einfach “zu früh” ! - Bleibe liegen, schlafe noch etwas. 9 Uhr dann startet die Räumaktion. Alles läuft prima. Die jungen Brüder im Haus packen mit an, alle Kisten werden entladen und ins Haus gebracht. Manche wandern in die Abstellkammer, andere vor mein Zimmer. Nun kommt der Spaß auf mich zu… auspacken, einräumen… Oh Mann! 50 Minuten dauert die Ausräumaktion, das Einräumen wird länger dauern.
Es regnet den ganzen Tag. Praktisch, dann kann man eh nicht vor die Tür. Nein, es regnet nicht, es kübelt nur so runter. Dazu Donner und Gewitter in den nahen Bergen. Cool, wenn man da in Sicherheit ist.
Der Tag vergeht, gemütlicher Abschluss mit meinen beiden Saarwellingern bei einem Glaserl Wein.

Donnerstag, 16.7.2009
Ein schöner Tag. Die Sonne lacht, der Himmel ist blau. Ich bin immer noch mit Räumen beschäftigt. Am Nachmittag fahre ich mit meinen Gästen zum Wallfahrtsort Frauenberg, in der Nähe vom Stift. Wir besuchen den asiatischen Garten, genießen ein Eis und lassen die Seele in der Sonne etwas bescheinen. Abends Abschlussessen im Stiftskeller. Lecker! Lohnt sich immer, da hin zu gehen!

Freitag, 17.7.2009
In der Frühe reisen meine Gäste ab. Ich hab um 9 Uhr die “Hausfrauenmesse”. Es war auch ein Hausmann dabei… Immer noch mit Räumen beschäftigt, aber langsam lichtet sich der Dschungel. Am Abend habe ich die jungen Brüder zu Gast, sozusagen eine kleine private Einweihungsparty in meinem Zimmer. Muntere Truppe. Es wird spät.

Samstag, 18.7.2009
Früh raus… hui.. das fällt schwer. Ich merke die Müdigkeit der vergangenen Monate und Wochen steckt noch tief in meinen Knochen. Fahre nach Liezen mit einem der Brüder, der sich ein paar Fische für sein neues Aquarium kaufen will. Ich lerne … so viele verschiedene Fische… und: Meeresschildkröten und Zierfische vertragen sich nicht. Aha. Nun ja. Also: Keine Kröte ins Aquarium.
Am Nachmittag Arbeit an der Predigt zum Sonntag. Schleppend.
Abends ist Kino auf dem Programm: Harry Potter, der neuste Teil. Naja, weniger prickelnd. Die ersten Tage sind vorüber.

Sonntag, 19.7.2009
8.30 Uhr Messe in der Stiftskirche. Dann etwas am BLOG arbeiten, danach Aufbruch Richtung Urlaub. Und tschüss… ich bin dann mal weg! Bis zum 30.7.2009. Wie sagen die Österreicher: baba!

In 30 Tagen Aufbruch ins Unerwartete

Saarlouis, 14. Juni 2009

Heute in genau einem Monat, in 30 Tagen, breche ich von Saarlouis auf. In den frühen Morgenstunden werde ich mich von Deutschland, meiner Heimat, dem schönen Saarland und meiner Diözese Trier verabschieden. Es wird gewiss ein emotional gemischter Aufbruch sein. Ein wenig vielleicht wie Urlaub zu Beginn der Fahrt. Doch dann - da bin ich mir gewiss - wird sich nach und nach auch etwas Traurigkeit einstellen: ich lasse zurück! Ich lasse Menschen zurück, eine Biographie, eine Landschaft - alles wird in Erinnerungen vorhanden sein, aber ich lasse zurück. Ein wichtiger Prozess, dem ich ich mich seit Monaten stelle. Sehr bewusst habe ich vor drei Monaten schon damit begonnen, meine Koffer zu packen, meine Sachen nach Admont zu bringen und Möbel zu verkaufen oder zu verschenken. So lebe ich jetzt - nachdem auch mein eigener Kleiderschrank abgebaut ist - als ein “Pilger”, ich lebe aus dem Koffer. Mein Büro ist leer geworden. Die Regale fehlen, die Wände sind leer, die Staubschatten an den Wänden erinnern an Bilder, die einst dort hingen, aber alles verblasst langsam.

Zurück lasse ich das Saarland mit seinen schönen Seiten, mit der wunderbaren Saarschleife - hier ein Panoramabild, das ich am Freitag, dem 12.6. am Nachmittag aufgenommen habe.

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Aber die Freude auf das Kommende ist doch stärker. Es wird anders sein, ganz anders. Ein ganz anderes Land, eine andere Mentalität. Und obwohl die Sprache letztlich auch “deutsch” sein wird, ist die Ausdrucksweise und das Denken doch österreichisch. Ich tauche ein in ein neues Leben. Heute in einem Monat.

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In diesem Sinne! Wagen wir den Aufbruch - erwarten wir das Unerwartete!

Gott ist anders. Er ist keine Formel.

Später Abend. Vollmond. Ich sehe aus meinem Fenster im Stift Admont. Der Innenhof ist erleuchtet vom Mond. Wieder liegt ein Tag hinter mir. Seit Freitag letzter Woche bin ich da. Habe mein Zimmer etwas eingerichtet und fühle mich ein… komme an… Zur Zeit sind “kleine” Exerzitien, der Altabt von Melk hält der Gemeinschaft geistliche Vorträge. Meine Gedanken streifen die Themen… ich versuche sie hier etwas niederzuschreiben.

Eine Geschichte. Eine Menschenmenge kommt zu einem Mystiker und bittet ihn, von Gott zu sprechen. Er weigert sich. Er könne nicht von Gott sprechen, Gott lasse sich nicht mit Worten benennen und einfassen. Gott könne auch nicht in eine Formel gepresst werden. Die Menschen sind nicht zufrieden, sie drängen ihn. Er gibt nach und erzählt, wie er Gott sieht und versteht. Die Menschen lauschen seinen Worten, notieren jedes Wort. Sie machen daraus ein Glaubensbekenntnis, später ein Heiliges Buch. Doch dann… bringen sie alle Menschen um, die nicht so glauben wie sie. Sie tun es im Namen Gottes.

Eine Geschichte, die mich berührt und mich traurig macht. Gott ist in der Tat keine Formel. Wie ist Gott? Wo ist Gott? Der Hl. Benedikt schreibt in seiner Ordensregel oft davon, dass man als Mönch in der Gottesfurcht leben solle. Müssen wir Angst haben vor Gott? Ist er ein Polizist, ein Aufseher? Ehrfurcht vor Gott haben heißt: ihn liebend anschauen, sich in der Schlichtheit meines Seins nähern können und ihm die Ehre erweisen, ihn zu achten, wertzuschätzen. Die Fage im Kloster nach der Benediktregel gilt jedem: Suchen wir wirklich Gott? Bei all unserem geistlichen Tun… oder suchen wir nur unser Ego, unsere Ich-Zentrierung. Gewiss, das eigene SELBST zu suchen wäre schon ein Fortschritt gegenüber der permanenten Ich-Suche. Unsere Ich-Rollen sind die funktionalen Egos, die wir zu realisieren suchen. Aber unser Selbst… es ist in der Mitte unseres Seins verborgen, zeigt sich nicht offenkundig wie die Rollen, die wir spielen, ob in der Schule als Lehrer, daheim als die Mutter oder Schwester, bester Freund oder Kumpel, des Sportkollegen oder Chefs - wie auch immer. Das Selbst meines Wesens ist das Fenster durch das hindurch ich Gottes wahres Sein erkennen kann. Wir sind nach seinem Ebenbild erschaffen, heißt es im Buch Genesis, “imago dei”. Leben wir auch so? In Ehrfurcht vor dem eigenen kostbaren Leben, vor dem Geschenk des Lebens insgesamt, dem des Anderen, der ganzen Schöpfung?

Wenn ich in dieser Weise Gott liebe, dann muss ich laufen, rennen, sagt Benedikt! Dann laufe / renne ich meinen Weg zu Gott hin, nichts kann mich aufhalten. Das Ziel vor Augen geht es nicht anders. Ein wunderbarer Gedanke, der in der deutschen Übersetzung der Regel anscheinend nur sehr schwach zum Tragen kommt durch “der geht seinen Weg”… - nein, er rennt, er läuft ihn! Sozusagen: Wir müssen Gott laufend lieben! ein schönes Wortspiel. Gleichzeitig kommt uns Gott in der “amans memoria dei” in der liebenden Erinnerung Gottes entgegen. Nur Blinde laufen aneinander vorbei! Wo so geliebt wird, wo ich so tatsächlich den anderen in seinem Wesen sehe und erkenne… bin ich ganz bei mir und in meinem Selbst.

Wir atmen so sehr den Zeitgeist, aber: atmen wir auch den Geist Gottes ein? Wir beklagen uns darüber, dass sich so vieles in der Kirche verändert habe, dass nichts mehr sei wie früher. Vor allem an Traditionen hängende Menschen schmerzt dies. Aber steckt nicht allem Sein auch das Werden inne? Ist nicht alles an Schöpfung dem Kommen, Werden, Gehen unterworfen? “Die ganze Schöpfung liegt in Geburtswehen” sagt Paulus. Mit Recht! Es ist eine kreatorische Dynamik, die uns antreibt. An den grauen Haaren sehen wir den Verfall, an der Reife die Veränderung, am Sterben das im Sein inbegriffene Loslassen allen Seins. Die Koordinaten der Welt haben sich verändert, daher muss auch der Mensch sich der Veränderung unterwerfen. Wir können bewahren, was gut und richtig ist, altes hervorholen, wenn es scheint, dass dies notwendig erscheint, aber letztlich sind wir der Vergänglichkeit unterworfen und müssen uns auf diese Wirklichkeit jeden Tag einstellen! Nichts bleibt wie es war, nichts wird sein wie es gerade ist, aber alles wird werden wie es sein soll oder zumindest sein kann. Das ist eine Erkenntnis, die mir immer deutlicher vor Augen tritt!

Doch mit all diesen Veränderungen geht auch die Frage einher: Suchen wir wirklich Gott? Was will der HERR von uns in den Stunden, in denen sich die Erde dreht und sich - von jetzt auf gleich - die Koordinaten dieser Welt wieder verändert haben? Geraten wir nicht immerzu in Gefahr, das Alte so festzuklammern, dass wir daraus eine Ideologie machen? Was wollten die Menschen von jenem Mystiker, von dem ich eingangs schrieb? Sie wollten weisheitliche Lehrformeln über Gott. Nachdem sie diese erhalten hatten, schwarz auf weiß, machten sie daraus ein Dogma, eine heilige Lehre, eine Lehrformel. Dann fertigten sie ein heiliges Buch an. Und mit jedem Buchstaben des Buches erschlugen sie jene, welche nicht an die Lehrformel glauben wollten oder konnten. Ist das nicht unsere Kirchengeschichte, wie sie beschrieben ist? Ist die Lehrformel für viele Menschen nicht längst zur Leerformel geworden? Ein kluger Mensch sagte einmal: “Eine revolutionäre Idee verrät sich selbst, wenn sie zur Institution wird.” Da ist etwas dran. Darüber müssen wir als Kirche im Nachdenken bleiben.

“… er hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein!” - Palmsonntag

Admont, 5. April 2009, RMM


palmsonntag.jpgWann immer Menschen Karriere machen, schweben sie in Gefahr, sich ganz und gar dem Aufstieg zu verschreiben, d.h. sich ihm zu ergeben und ihm zu erliegen. Wer schon oben ist, will noch höher, er strebt nach dem Gipfelpunkt. Nur wenige Menschen schaffen es, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sie alles erreicht haben, auch wirklich loszulassen. Nur wenige Menschen können abgeben, nehmen sich nicht so wichtig, dass sie denken, ohne sie liefe nichts. Von den großen Heiligen, wie z.B. Franziskus oder Elisabeth hören wir, dass sie alles aufgaben, arm wurden und damit das Wesentliche fanden, zum Wesenskern ihres Glaubens vorstießen. Doch von Jesus hören wir in der Lesung ein noch mächtigeres Wort: „Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ (Phil 2,6-7). Er hielt nicht an seiner Karriere, an seiner Göttlichkeit fest! Gewiss, das Bekenntnis zu ihm als dem Sohn Gottes, ist unser menschliches Bekenntnis! Aber den Weg den Jesus geht, ist der Weg nach unten. Jesus sitzt rein äußerlich auf dem Palmesel und reitet königlich in Jerusalem ein, aber im Grunde sitzt er – wie wir so schön sagen – auf dem absteigenden Ast. Sein Schicksal ist besiegelt. Er hielt nicht daran fest, er hielt auch nicht am Leben fest. Er überließ es einer anderen Gewalt. Den Tod der weltlichen Gewalt, das neue Leben der göttlichen Gewalt.

 

Gewiss, dieser Palmsonntag zeigt uns viele Menschen auf. Diejenigen, welche am Rand der Gassen stehen und das messianische Schauspiel vom Einzug live mitverfolgen… sie stehen am Rand wie bei der Tour de France, „en passant“, es wird so kaum bewegt haben, ein Spektakel, für das es sich gelohnt hat, nach Jerusalem zu kommen, das nehmen sie mal mit… Dann die Gegner Jesu, die sich über seinen Auftritt empören, die in helle Aufregung geraten und zugleich wittern, dass ihre Stunde gekommen ist zu handeln, ihn aus dem Verkehr zu ziehen. Schließlich die Jüngerinnen und Jünger Jesu. Ich weiß nicht, wie ich mich gefühlt hätte… wäre ich stolz gewesen, hätte ich wie ein Leibwächter links und rechts geschaut, dass dem Meister nichts widerfährt? Schließlich Jesu selbst: Was mag er gedacht haben? Hier Jubelrufe, dort wenige Tage später Anfeindungen und offene, ja sogar gewaltsame Ablehnung! Die Antwort am Kreuz zeigt seine Haltung: „Vater vergib ihnen! Sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34). Wo ordnen wir uns ein, wo bin ich in diesem Geschehen? Einen neutralen Beobachter gibt es nicht! Wenn wir „nur“ Augenzeuge sind, machen wir das Geschehen möglich! Wenn wir nicht eingreifen, machen wir uns schuldig! Im Rahmen der Sozialkompetenztrainings mit Schulklassen ist das eine wichtige Erkenntnis, wenn ich das Thema „Mobbing“ in den Raum stelle. Es gibt keine „neutrale“ Position. Entweder: ich unterstütze den „Täter“ oder stelle mich auf die Seite des „Opfers“, dann aber greife ich auch ein und verhindere. Aber „neutral“ ist niemand. Neutralität wie in der Politik bedeutet hier: Die Gewalt ermöglichen! Die Ohnmacht der Handelnden im Passionsbericht zeigt deutlich, dass der Weg Jesu quasi vorprogrammiert war.

In diesem Wissen hat Jesus alles losgelassen, jede Gegenwehr, jedes Sich-Aufbäumen wäre nur noch Öl aufs Feuer gewesen. „… er hielt nicht daran fest!“ – Die Tragik dieser Entscheidung ist der Tod am Kreuz. Doch beim Einzug in Jerusalem zeigt es sich bereits: Wehrlos, auf einem Esel zieht er ein. Gott ist längst vom „hohen Ross“ herabgestiegen, schreitet nicht königlich einher. Der Einzug in Jerusalem wird zum Solidaritätsmarsch für alle, die sich nach menschlicher Wertschätzung sehen: Gott sieht nicht auf die Macht, die Karriere, die Aktien, die hohe Stellung. Gott geht den kleinen Weg, er hält nicht daran fest, wie Gott zu sein. Die Tragik unseres christlichen Glaubens ist, dass Gott uns zumutet denken zu müssen, dass er sich selbst aufgibt! Kein Gott, den wir mit Kerzen und Weihrauch herbei zaubern können, sondern ein Gott, der sich in seinem Sohn entäußert und verliert. Der Palmsonntag ist das Präludium des Karfreitag, ein König ohne Krone, ein König auf dem absteigenden Ast, dem Ast vom Stamm des Kreuzes.

 

Unsere Palmzweige sind Jubelzweige. Sie gelten dem König, sie stehen für die göttliche Würde Jesu Christi. Aber wir hängen sie ans Kreuz, wie eine letzte Erinnerung an ein Stück Glanz, der mit dem Kreuz matt und grau geworden ist. Ein Gott ohne Land, ohne Krone, ohne Macht, ohne Thron. „… er hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein!“ – er geht den Weg des Menschseins! Er geht deinen, er geht meinen Weg. Solidarisch. Liebend. Konsequent.

 

Zwölf Jahre alt und doch schon über 80 …

dune_frisch_gelieferft.jpgToulouse, 23. März 1997.
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In der südfranzösischen Stadt bringt die Hundedame “Düne du Mirail de Toulouse” einen Wurf mit pyrenäischen Hirtenhunden zur Welt. Unter ihnen auch ein kleiner putziger Hund, der - wie seine Mutter - den Namen Düne erhält. Am 4. Juli 1997 wird sie nach einer 1200 km-Fahrt einem künftigen Priester namens Rainer-Matthias Müller in Trier übergeben, zum Staunen seiner Mitbrüder und der Seminarleitung des Priesterseminars von Trier. Das lebendigste Geschenk unter den Weihegeschenken: ein Hund für einen künftigen Kaplan!

Saarlouis, 23. März 2009

Zwölf Jahre später, ein putzmunterer Hund noch immer an der Seite seines Herrchens. Zwölf Jahre Treue, Achtsamkeit, Gefolgschaft, dune_ich_bins.jpgLiebenswürdigkeit und Neugierde, zwölf Jahre fast sorglose Sorge um ein Geschöpf auf vier Beinen.

Düne, du hast so viele Leute kennen gelernt, fühlst dich fast überall daheim, hast so viele Fersen von Bodenkosmetikerinnen geknappt ohne jemals wirklich ernsthaft beißen zu wollen, du hast so viele Haare auf dem Boden hinterlasduene08.jpgsen, ich könnte mir zwei Winterpullis davon stricken lassen, du hast so viele wunderbare Augen-Blicke geschenkt, so lieb dagelegen und geträumt… du bist ein toller Hund! Danke dir!

Heute hast du Geburstag, liebe Düne. Mögest du noch lange leben und gesund sein! Freu dich auf deine künftige Heimat in den Bergen des Gesäuses von Admont, freu dich auf Schnee und Bergluft, freu dich auf Spaziergänge mit Herrchen und viele Kinder, die dich mögen werden. Sagen wir Danke all denen, die dich immer so liebevoll aufgenommen haben, wenn dein Herrchen mal wieder treulos durch die Lande zog.
Dein Herrchen
RM

Runter vom hohen Ross der All-Mach(t)-barkeit!

Sonntag, 25. Januar 2009, Fest der Bekehrung des Apostels Paulus

atheist_bus_spez-1224777658.jpgSie sind in England, Spanien und Italien, nach und nach auch in den USA unterwegs. Busse im öffentlichen Straßenverkehr mit den Werbeaufschriften “Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Keine Sorge - genießen Sie Ihr Leben!” Mit rund 154.000 Euro ist die Aktion in England gesponsert. Es regt zum Nachdenken an in einem liberalen Europa, es provoziert konservative Kräfte in den Kirchen, es heizt die Wut der Evangelikalen an, die zuvor in anderen Kampagnen mit Hölle gedroht hatten.


Immerhin: Ein Busfahrer weigerte sich einen solchen Bus zu fahren. Er sei Christ, er könne dies nicht mit seinem Glauben vereinbaren. Er bekam Recht von der Betreibergesellschaft und muss solche Busse nicht steuern. In Italien haben sich kämpferische Atheisten einen anderen Spruch ausgedacht: “Die schlechte Nachricht: Es gibt keinen Gott. Die gute: Du brauchst ihn nicht.“ Auch dieser Satz heizt die Diskussion an.


Ich gestehe: Ich finde eine solche Kampagne besser als wahnhaft-christliche Drohsprüche und ultrarechte Kampfansagen von Fegefeuer und Hölle. Gewiss, man spürt den Sarkasmus und die Ironie, die Provokation. Aber ist der Völkerapostel Paulus nicht auch in Athen auf dem Areopag aufgetreten und hat alle heidnischen Götter für Null und Nichtig erklärt? Und drohte er nicht ebenso mit scharfen Worten den Anhängern des “Neuen Weges”? Nein, er ermordete sie sogar kaltblütig. Daher ist eine Werbekampagne letztlich nur eine Form alle zum Nachdenken anzuregen. Schließlich zahlen die Betreiber noch Geld dafür auf etwas aufmerksam zu machen, was ja nicht existiert, ihrer Meinung nach. Also… letztlich: Werbung für ein Nichts.

Paulus musste - wenn auch nur metaphorisch - erst einmal von seinem hohen Ross der All-Mach(t)-barkeit. In einer Welt, in der wir uns durch “Not-leidende Banken” und die Kapitalwirtschaft den Sinn des Lebens diktieren lassen, dürfen wir uns nicht wundern, dass auch unsere Systeme zusammenstürzen. Auch die Glaubenssysteme! Paulus fragt nach dem Namen: Wer bist du, Herr? Und das ist umso dringender die Frage, die auch über unsere Lippen kommen muss. Wer bist du, Herr? und: Herr, was soll ich tun? Die Antwort, die Paulus selbst findet, als er wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt ist lautet: “Er ist der Sohn Gottes!”


Paulus leitet uns durch diese beiden Fragen: Wer bist du, Herr? und Herr, was soll ich tun? Diese Fragen gilt es zu beantworten. Wer ist dieser Jesus Christus für die Welt von heute? Wie kann das Wort Jesu neu übersetzt werden, so dass Menschen ihr Leben MIT GOTT genießen können und ebenfalls ohne Sorge! Das Evangelium gibt uns einen klaren Auftrag: Verkündet in der ganzen Welt die Frohe Botschaft! Die Frohe Botschaft von einem Gott, der den Menschen nicht allein lässt, der das Leben will und der uns Wege zum glücklichen Leben aufzeigen kann. Wer bist du, Herr? Was soll ich tun? Es ist Zeit, diese Fragen zu stellen!

 

 

brrrrrrrrrh… eisig kalt !

Saarlouis, 7.00 Uhr

Bin wieder daheim. Seit gestern. Die Fahrt von Admont war absolut unproblematisch, trotz Schnee auf den Autobahnen, alles hielt sich in Grenzen. Kurze Zwischenstation für ein paar Stunden in Landau, Besuch meines Patenkindes Amadea. In Fraulautern dann: eiskaltes Pfarrhaus, brrrrrrrh… Wände kalt, Zimmer kalt, Boden kalt… alles kalt. Heute muss erst mal geheizt werden! Es lebe mein Kamin!

Und: 6. Jänner - Fest der hl. drei Könige, der Weisen aus dem Morgenland.

CHRISTUS + MANSIONEM + BENEDICAT 2009

Christus segne dieses Haus. Möge es so sein!

Abschied von den Bergen

Admont, 8.15 Uhradmontlage.jpg

Nun ist es soweit. Leider. Ich muss Abschied nehmen von den Bergen Admonts. Während beim Sonnenaufgang die ersten Strahlen spielerisch über die Berggipfel streifen, immer wieder von Wolken unterbrochen, schaue ich aus dem Fenster der kleinen Hausbibliothek des Stiftes Admont. Eine erholsame Zeit liegt hinter mir. Weihnachten und den Jahreswechsel in einem Kloster zu feiern, ist schon etwas besonderes. Viele Gäste waren in den vergangenen Tagen hier. Es täte gewiss noch viel mehr Menschen gut, sich an solchen Tagen in die spirituelle Nähe eines Klosters zurückziehen zu dürfen. Wer Admont auf der Landkarte sucht: Die Karte rechts zeigt es, ziemlich in der Mitte Österreichs, im Herzen Austrias: in der Steiermark.kaiserau.jpg

Morgen (Montag) ist Aufbruch angesagt, mit angekündigtem Schneetreiben, mal sehen, wie das wird. Freunde haben mich schon gewarnt, ich solle besser heute fahren. Aber ich habe die Kaiserau auf die Reihe bekommen, so hoffe ich doch, dass ich auch den Schnee “dahoam” auf die Reihe bekommen, aber man weiß ja nie. Ich werd anständig fahren. Das Bild rechts unten zeigt im Übrigen die Kaiserau (einfach draufklicken, das Bild wird vergrößert). Eine wunderschöne Ecke, voller Schnee!

Nun wünsche ich allen einen gesegneten + Sonntag! Baba.

Willkommen im Neuen Jahr 2009

neujahr.jpgAdmont, 10.00 Uhr

Gewiss, das Neue Jahr ist schon wieder drei Tage alt. Irgendwie fließt die Zeit nur so dahin. Es bleibt keine, wirklich nachzudenken, was im alten Jahr gewesen ist und was das neue Jahr bringen wird. “Den Aufbruch wagen - Unerwartetes erwarten” wird mein persönliches Leitmotiv sein. Dabei hat das alte Jahr schön geendet! Um 15 Uhr am 31. Dezember hatten P. Samuel und ich einen Gottesdienst in der Unterlaussa, in einer kleinen sympathischen Kirche. Ab 18 Uhr war dann die Vesper (Abendgebet) im Konvent des Stiftes Admont, gefolgt von den Komplet (Nachtgebet) und… - recht ungewöhnlich - die Vigilien (die nächtlichen “Wachen”) gleich danach, damit wir alle bis 7.30 Uhr am nächsten Morgen ausschlafen konnten, denn sonst gehts ja doch schon um 6.15 Uhr mit der ersten Gebetszeit los. Es folgte das Abendessen und ganz spät in der Nacht, um 23.30 Uhr, versammelten sich eine Reihe von Mönche im Freien vor dem Kloster. Sekt in den Gläsern, Feuerwerk (aber nicht von uns) am sternklaren Himmel… ein “Prosit Neujahr!” und der Wiener Walzer aus dem Autoradio, wie er ganz klassisch zum Silvester Österreichs dazu gehört. Der Jahreswechsel war geschafft. Bis 2 Uhr in der Früh hielt ich mit einigen Brüdern aus, einfach plaudernd, lachend, guter Wein und Sekt (aber ohne Rausch, wie das wohl sonst so ist) - also… (fast) gaaaaaaaanz normal, man spürt ohne Übertreibung: Diese Mönche von Admont sind Gegenwartsmenschen! Am 1. Jänner dann aber um 7.30 Uhr die Laudes (Morgengebet) und um 10 Uhr das Pontifikalhochamt mit dem Herrn Abt Bruno Hubl.

So begann mein neues Jahr 2009. Ich wünsche allen ein gesegnetes Neues Jahr! Viel Freude bei der Gestaltung des Lebens!