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5.4.2009 von Jeremias.
Admont, 5. April 2009, RMM
Wann immer Menschen Karriere machen, schweben sie in Gefahr, sich ganz und gar dem Aufstieg zu verschreiben, d.h. sich ihm zu ergeben und ihm zu erliegen. Wer schon oben ist, will noch höher, er strebt nach dem Gipfelpunkt. Nur wenige Menschen schaffen es, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sie alles erreicht haben, auch wirklich loszulassen. Nur wenige Menschen können abgeben, nehmen sich nicht so wichtig, dass sie denken, ohne sie liefe nichts. Von den großen Heiligen, wie z.B. Franziskus oder Elisabeth hören wir, dass sie alles aufgaben, arm wurden und damit das Wesentliche fanden, zum Wesenskern ihres Glaubens vorstießen. Doch von Jesus hören wir in der Lesung ein noch mächtigeres Wort: „Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ (Phil 2,6-7). Er hielt nicht an seiner Karriere, an seiner Göttlichkeit fest! Gewiss, das Bekenntnis zu ihm als dem Sohn Gottes, ist unser menschliches Bekenntnis! Aber den Weg den Jesus geht, ist der Weg nach unten. Jesus sitzt rein äußerlich auf dem Palmesel und reitet königlich in Jerusalem ein, aber im Grunde sitzt er – wie wir so schön sagen – auf dem absteigenden Ast. Sein Schicksal ist besiegelt. Er hielt nicht daran fest, er hielt auch nicht am Leben fest. Er überließ es einer anderen Gewalt. Den Tod der weltlichen Gewalt, das neue Leben der göttlichen Gewalt.
Gewiss, dieser Palmsonntag zeigt uns viele Menschen auf. Diejenigen, welche am Rand der Gassen stehen und das messianische Schauspiel vom Einzug live mitverfolgen… sie stehen am Rand wie bei der Tour de France, „en passant“, es wird so kaum bewegt haben, ein Spektakel, für das es sich gelohnt hat, nach Jerusalem zu kommen, das nehmen sie mal mit… Dann die Gegner Jesu, die sich über seinen Auftritt empören, die in helle Aufregung geraten und zugleich wittern, dass ihre Stunde gekommen ist zu handeln, ihn aus dem Verkehr zu ziehen. Schließlich die Jüngerinnen und Jünger Jesu. Ich weiß nicht, wie ich mich gefühlt hätte… wäre ich stolz gewesen, hätte ich wie ein Leibwächter links und rechts geschaut, dass dem Meister nichts widerfährt? Schließlich Jesu selbst: Was mag er gedacht haben? Hier Jubelrufe, dort wenige Tage später Anfeindungen und offene, ja sogar gewaltsame Ablehnung! Die Antwort am Kreuz zeigt seine Haltung: „Vater vergib ihnen! Sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34). Wo ordnen wir uns ein, wo bin ich in diesem Geschehen? Einen neutralen Beobachter gibt es nicht! Wenn wir „nur“ Augenzeuge sind, machen wir das Geschehen möglich! Wenn wir nicht eingreifen, machen wir uns schuldig! Im Rahmen der Sozialkompetenztrainings mit Schulklassen ist das eine wichtige Erkenntnis, wenn ich das Thema „Mobbing“ in den Raum stelle. Es gibt keine „neutrale“ Position. Entweder: ich unterstütze den „Täter“ oder stelle mich auf die Seite des „Opfers“, dann aber greife ich auch ein und verhindere. Aber „neutral“ ist niemand. Neutralität wie in der Politik bedeutet hier: Die Gewalt ermöglichen! Die Ohnmacht der Handelnden im Passionsbericht zeigt deutlich, dass der Weg Jesu quasi vorprogrammiert war.
In diesem Wissen hat Jesus alles losgelassen, jede Gegenwehr, jedes Sich-Aufbäumen wäre nur noch Öl aufs Feuer gewesen. „… er hielt nicht daran fest!“ – Die Tragik dieser Entscheidung ist der Tod am Kreuz. Doch beim Einzug in Jerusalem zeigt es sich bereits: Wehrlos, auf einem Esel zieht er ein. Gott ist längst vom „hohen Ross“ herabgestiegen, schreitet nicht königlich einher. Der Einzug in Jerusalem wird zum Solidaritätsmarsch für alle, die sich nach menschlicher Wertschätzung sehen: Gott sieht nicht auf die Macht, die Karriere, die Aktien, die hohe Stellung. Gott geht den kleinen Weg, er hält nicht daran fest, wie Gott zu sein. Die Tragik unseres christlichen Glaubens ist, dass Gott uns zumutet denken zu müssen, dass er sich selbst aufgibt! Kein Gott, den wir mit Kerzen und Weihrauch herbei zaubern können, sondern ein Gott, der sich in seinem Sohn entäußert und verliert. Der Palmsonntag ist das Präludium des Karfreitag, ein König ohne Krone, ein König auf dem absteigenden Ast, dem Ast vom Stamm des Kreuzes.
Unsere Palmzweige sind Jubelzweige. Sie gelten dem König, sie stehen für die göttliche Würde Jesu Christi. Aber wir hängen sie ans Kreuz, wie eine letzte Erinnerung an ein Stück Glanz, der mit dem Kreuz matt und grau geworden ist. Ein Gott ohne Land, ohne Krone, ohne Macht, ohne Thron. „… er hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein!“ – er geht den Weg des Menschseins! Er geht deinen, er geht meinen Weg. Solidarisch. Liebend. Konsequent.
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