Abenteuer Advent… adventure… advenire… ???

9.00 Uhr

Ich erhalte eine Mail einer guten Freundin, eine ehemalige Mitschülerin der Grundschule. Sie schreibt folgendes:

“Also man wird doch immer wieder dazu gezwungen, Dinge, die man eigentlich glaubt, zu wissen, neu zu überdenken.
War ich doch gestern Abend zu einer Adventsandacht in der Kirche. Eine liebe Bekannte hat dort mit dem Gospelchor gesungen. Es wurden auch verschiedene Texte vorgelesen.
Unter anderem der: Abenteuer Advent. Zuerst wurde die Herkunft des Wortes Advent erklärt. Da hat es mich schier niedergehauen. Also das lateinische Wort Advent und das englische Wort Adventure haben beide die gleiche Bedeutung, nämlich Abenteuer. HÄÄÄ?? Also bislang dachte ich immer Advent kommt von dem lateinischen Wort advenire und das heißt ankommen. Nun ja, in Latein war ich auch keine Leuchte, aber ankommen erscheint mir doch sinnvoller, als Abenteuer, in Bezug auf Advent. Vielleicht kannst du mich als Theologe ja auch eines besseren belehren.
Aber vielleicht kann man es auch umgekehrt sehen, nämlich dass ein Adventure- Urlaub einfach auch den Wunsch erweckt, wieder heil anzukommen… oder so!! un ja, ich wünsche dir auf jeden Fall eine schöne und abenteuerliche Woche.”

weihnachtsmann2.jpgJa, Leute! Wir müssen umdenken. Künftig werden die alten Wörter aus dem Englischen  hergeleitet. Das verstehen die Kinder ja auch viel besser! So wie wir die Weihnachtsgeschichte neu schreiben müssen! Sehe ich doch auf dem Weihnachtsmarkt in Dortmund eine große bemalte Tafel mit dem Motiv: Weihnachtsmann reitet auf Esel und hinter ihm läuft ein Engel her, welcher einen beleuchteten Tannenbaum hält. Das Kind der befreundeten Familie, die ich besuche, fragt mich, ob ich die Geschichte kenne. Nein, sag ich, die kenne ich nicht. Ich kenne nur diese ganz alte seltsame Geschichte von einer gewissen, na, wie hieß sie nochmal… - ah, Maria! Die ritt auf einem Esel (oder war es ein Motorrad, Mist.. meine Erinnerung lässt nach) und neben ihr tappt Josef und dahinter… ähm… war das nicht der schreiende Wirtstubenbesitzer, weil die beiden die Zeche geprellt haben… Ach, ich weiß es einfach nicht mehr. Besser wir erzählen eine moderne Geschichte. Also… da war einmal ein Weihnachtsmann von Coca-Cola (oder war es eine andere Firma) und der hat das Christkind, das Martin Luther erfunden hat, auf dem Arm… und zog mit einem Esel durch das Land.. Nee, nee, ich weiß es nicht mehr. Sorry. Ihr müsst doch mal die Bibel lesen. Bei Lukas im zweiten Kapitel wird man fündig!!!

3 Antworten auf “Abenteuer Advent… adventure… advenire… ???”

  1. Christine sagt:

    Abenteuer Advent
    Es stimmt aber, dass Advent und Abenteuer die gleiche Sprachwurzel haben.
    Abenteuer ist ein Lehnwort und geht über abentiure, aventiure auf das vulgärlateinische “adventura” = Ereignis, Geschehnis und auf das lateinische “advenire” = herankommen (!), sich ereignen zurück.
    Das sagt mir alles mein Herkunftswörterbuch.
    Der Vorleser des Adventstextes hat da nichts Neumodisches erfunden.
    Anselm Grün und Andrea Schwarz schreiben in ihren neueren Adventsbüchern ebenfalls über den Zusammenhang von Ankunft, Advent und Abenteuer.
    Das Abenteuer Advent muss nichts mit der Erlebnisindustrie zu tun haben.
    Gott schreibt seine eigene Geschichten in der Bibel und außerhalb.
    Mit adventlichem Gruß
    Christine

  2. RMM sagt:

    Also, die Expertin hat gesprochen. Wenn Christine das schreibt, glaub ich es. Nur ich kann mir vorstellen, dass im Gottesdienst die Aussage wohl hieß: Advent kommt von adventure und ist deshalb ein Abenteuer… von “Ankunft” war anscheinend kein Wort mehr die Rede - vermute ich aber nur!
    Das haben wir also auch erklärt. Das Abenteuer Gottes: Menschwerdung!

    Danke!

  3. Irmtrud Klößner sagt:

    Lieber Herr Müller
    Herzlich danken möchte ich mal für die wunderbaren Beiträge auf Ihrer Internet-Seite, die mir häufig aus der Seele sprechen.
    Anbei einen “entdeckten” Beitrag

    Advent

    Warten wir voller Sehnsucht auf den, “der da kommen soll”? Es mag schon sein, dass unser Warten geradezu überlagert wird von den zahlreichen Vorweihnachtsfeiern,denen wir uns nicht entziehen können - wie wir jedenfalls meinen.Es mag auch sein,dass unsere Freude an den Lichtern von Advent und Weihnachten einfach gedämpft ist,weil wir seit Wochen geblendet werden von der vorweihnachtlichen Illumination unserer Straßen und Schaufenster, von den imposanten Weihnachtsbäumen mit ihren elektrischen Kerzen auf unseren Märkten und Plätzen. Und es mag auch sein, dass wir Lieder wie “Stille Nacht” und andere kaum noch hören können, weil sie uns aus fast jedem Kaufhaus entgegenklingen.
    es wird uns nicht leicht gemacht, den Dezember so zu erleben, wie er eigentlich sein sollte:als Zeit der Besinnung, als Tage der Vorfreude auf Weihnachten. Nun, es gibt mancherlei Bestrebungen, diese Situation zu verbessern.Aber sie bleiben-soweit ich beobachten kann- bislang eher punktuell; und sie sind doch nicht umsonst,weil sie Zeichen setzten können, z.B. energisches Freihalten einiger Termine für die Familie oder für besinnliche Abende oder für das Weihnachtsoratorium, dann Reduzierung des Besuchs von Vorweihnachtsfeiern auf eine errträgliche Zahl und Ähnliches.Ich kann mir jedenfalls nicht denken, dass Gott seine helle Freude an uns hat, wenn wir durch die adventliche Zeit hetzen, um dann am Heiligen Abend erschöpft in den Sessel zu sinken.
    Was wir an Weihnachten feiern, ist die Ankunft des Sohnes Gottes in dieser Welt - der erste Advent. Was uns darüber hinaus zugesagt ist, ist der zweite Advent Gottes: ” Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt ” (2.Petrus 3, 13 )
    Gerechtigkeit!!Wessen Herz würde vor Freude über solche Aussicht nicht höher schlagen, nicht zu brennen beginnen bei soviel Ungerechtigkeit in unserer Welt- wo man nur hinsieht?
    Doch zunächst mögen wir uns zu Recht freuen über die erste Ankunft Gottes in seinem Sohn - als kleines Menschenkind im Stall von Bethlehem. Da dürfen wir allen Ballast abwerfen und wie einst die Hirten, denen die Engel diese froheste aller Botschaften verkündigt haben, zur Krippe eilen, um mit dem Liederdichter Paul Gerhardt zu singen:

    Ich steh an deiner Krippe hier,
    o Jesu, du mein Leben;
    ich komme, bring und schenke dir,
    was du mir hast gegeben.
    Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
    Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
    und lass dir’s wohlgefallen.

    Mit den besten Wünschen zum Christfest und zum neuen Jahr 2009

    Irmtrud Klößner

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