Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs martyria für Oktober, 2008.
31.10.2008 von Jeremias.
Saarlouis, Reformationstag, 8.10 Uhr
Er gehörte nie wirklich zur Lehre der kath. Kirche und ist auch seit 1993 im Weltkatechismus nicht mehr zu finden: Der Vorraum für ungetaufte Kinder, der sogenannte „Limbus“ irgendwo zwischen Hölle und Fegefeuer. Limbus kommt aus dem Lateinischen und meint Rand oder Saum. Irgendwann im Mittelalter hat man ihn erfunden. Was passiert, so fragte man sich, wenn Kinder ungetauft sterben? Sind sie dann verloren für immer und ewig? Viele Erwachsene, vor allem der älteren Generation wurden deshalb unmittelbar nach der Geburt getauft, meist im Krankenhaus in der Kapelle, ohne Mutter, ohne Paten – Hauptsache getauft.
Seit letztem Jahr ist nun klar: Jener seltsame Ort namens Limbus ist endgültig abgeschafft worden! (Frage: Hat er wirklich jemals existiert - oder nur in den verrückten neurobiologisch-klerikal-päpstlichen Synapsen?) Für jedes Kind, auch wenn es noch nicht getauft ist, steht der Heilsweg Gottes offen. Jedes Kind ist geliebt - aber das galt schon IMMER!
Es ist also gewiss keine große Reform, die hier vonstatten geht, eher ein Rausschmeißen von alten Möbeln aus dem Speicher. Aber immerhin. Der heutige Tag, der Reformationstag, erinnert auch an einen solchen Aufräumer: an den Reformator Martin Luther. Er übte seinerzeit Kritik an der Gestalt der römischen Kirche, am Amt und auch an so manchen theologischen Aussagen, über die in den letzten Jahren auch zwischen den Kirchen eine Einigung erzielt wurde. Evangelische Christen denken heute an jenen Mönch Luther und seinen Aufstand im Jahre 1517 in Wittenberg. Als Katholik sage ich deshalb am Reformationstag: er hatte in vielen Punkten Recht. Man sieht’s bis heute: es gibt noch manche schräge Sachen in den Kirchen, die der Reform bedürfen.
Und allen, die Wolfgang (Wolferl / Wolf / Wolfi) heißen sei gesagt: Glückwunsch zum heutigen Namenstag! Wolfgang war ein Bischof im 10. Jahrhundert, ein Benediktiner und dazu noch sehr gebildet - später Bischof von Regensburg. Also… super Vorfahre!
Geschrieben in Aktuelles | Keine Kommentare »
30.10.2008 von Jeremias.
Saarlouis, 11.00 Uhr
Prof. Dr. Klaus Bolzano ist wieder daheim, d.h. in Salzburg. Doch die Gespräche schwingen noch nach, auch die Begegnungen mit den Jugendlichen, mit dem Ehepaarkreis und der Priestergemeinschaft. Insgesamt sieben Vorträge waren es plus ein Gespräch mit einer Schulklasse am SGS. Ich denke, damit war das Limit echt erreicht, was für ihn möglich war, denn solche Vorträge sind anstrengend. Aber es war auch schön. Die Gottesdienste, die wir miteinander gefeiert haben, die Gespräche unter vier Augen, der Besuch der Saarschleife - alles das prägte den Besuch.
Im Ehepaarkreis am Samstag wie auch in der Priestergemeinschaft zeigte sich in zwei verschiedenen Gruppen, wie sehr doch das gleiche Thema unser Leben berührt und betrifft. Ich bin auf sein nächstes Buch gespannt! Hier noch ein paar Bilder, Eindrücke… Erinnerungen.
Geschrieben in Aktuelles | Keine Kommentare »
29.10.2008 von Jeremias.
Saarlouis, 7.00 Uhr.
Es ist einfach nur berührend, welche Reaktionen die Vortragsreise von Prof. Dr. Klaus Bolzano ausgelöst hat. Ich werde die letzten Veranstaltungen auch noch zusammenfassend vorstellen. Nach dem Robert-Schuman-Gymnasium sprach er am letzten Samstag in einem Ehepaarkreis, den ich geistlich begleite, am Montag besuchte er mit mir zusammen die Franziskusgemeinschaft, eine Priestergemeinschaft im Bistum Trier, am Dienstag sprach er im Gymnasium am Stadtgarten. Unglaublich, wie viele Schüler mich ansprachen, mir Emails schrieben, mir bzw. uns von sich erzählten - von den Dingen, die sie erlebten.
Eine Woche voller lebendiger Eindrücke liegt hinter mir. Einfach bereichernd, vertiefend. Dank sei Gott!
Geschrieben in Aktuelles | Keine Kommentare »
25.10.2008 von Jeremias.
Saarlouis, 24. Oktober 2008 - Rückblick Teil 2
“Der Mensch ist in seinem Innersten krank. Er leidet unter der Krankheit, dass er sich permanent mit anderen vergleichen muss: Andere sind besser, schöner, weiter, haben höhere Posten, sind attraktiver etc.” - So ähnlich formulierte Prof. Dr. Bolzano es in seinem Vortrag auch für über 100 Jugendlichen des Robert-Schuman-Gymnasiums in Saarlouis. Doch die Frage “Könnt ihr euch so mögen, wie ihr seid? Kannst du in den Spiegel schauen und sagen: Ich bin ok wie ich bin?” - löst bei vielen jungen Zuhörern ein Unbehagen aus. Etwas Unruhe entsteht, dennoch: Hohe Aufmerksamkeit, Rückmeldungen von einigen Jugendlichen direk
t nach dem Vortrag. Die Themen sprechen an, Wirklichkeit unseres alltäglichen Erlebens kommt zum Ausdruck. Die Lösung aus dem Dilemma sich immer mit anderen zu vergleichen, neidisch zu sein und Menschen um ihrer Fähigkeiten, ihres Besitzes, ihres Aussehens, ihres Erfolges oder ihrer Austrahlung wegen zwanghaft nachzunahmen (das hat nichts mit Ehrgeiz zu tun, was an sich auch ein schreckliches Wort ist, für die Ehre zu geizen…), die Lösung beginnt beim Einzelnen: Ich muss mich annehmen wie ich bin, mich mit mir selbst versöhnen und ja zu mir sagen. So
lange ich mich mit anderen messe, bin ich nicht in meinem SELBST angelangt.
Einige Jugendliche verstehen die Botschaft. Kleidung, Handy, die Rolle in einer Gruppe, die Zugehörigkeit zu einem “Kreis” - all dies sind nicht entscheidend für die Selbstwerdung. Individuation meint: Ich als Individuum entdecke, dass ich einmalig und einzigartig bin, gewollt, geliebt und gebraucht!
Bilder - Eindrücke vom gestrigen Tag. Bilder anklicken zum Vergrößern!
Geschrieben in Aktuelles | Keine Kommentare »
24.10.2008 von Jeremias.
Klaus Bolzano ist nach einer mühsamen Zugfahrt von Salzburg mit fünfmaligem Umsteigen dennoch gut in Saarlouis gelandet. Im Gepäck ein strahlendes Lachen, einen Vortrag ohne Manuscript und ein paar Bücher “Die Neidgesellschaft. Warum wir anderen nichts gönnen…” Unsere erste Station führt am 23.10. ans MPG.
11.30 Uhr: Rund 120 Oberstufenschüler sind gekommen und lauschen seinem 1,5stündigen Vortrag. Er gewinnt mit Leichtigkeit die Zuhörerschaft, fesselt sie durch die Beispiele, spricht einfach und klar,
erklärt rasch Fachbegriffe der Medizin oder Psychiatrie und löst Interesse aus.
16.00 Uhr: Treffen des Lesekreises. 10 Schüler des Max-Planck-Gymnasiums treffen sich bei mir im Wohnzimmer. Seit Wochen lesen wir bereits in seinem Buch. Nachdem sich die Schüler vorgestellt haben, spricht Bolzano, erklärt die Grundinhalte seiner Theorie, dass Neid eine Krankheit sei. Auch hier gebannte Zuhörer. Faszination. Die Rückmeldungen sind genial. “Man kann ihm sehr gut zuhören!” - Dass es nicht so dialogisch war, wie sonst, stört nicht weiter. Die “Typen” von Menschen, die von der Krankheit zwanghafter Nachahmung (”so sein wollen wie andere”, “das haben wollen, was andere haben”) betroffen sind, gibt es in den Formen “feindliche Geschwister”, “Sadisten” und “Masochisten”. Spannend aber noch eine andere Erfahrung: Yannick (rechts im Bild) moderiert das Treffen, souverän… Klasse!
20.00 Uhr. Dillingen. Im Pfarr- und Jugendheim haben sich fast 40 Leute versammelt. Interessierte Erwachsene. Unter anderem ist noch mal ein Schüler vom Vormittag dabei. Nun geht Bolzano noch mehr auf die “Lösung” aus dem Neidverhalten ein: Sein eigenes “SELBST” entdecken, sein “ICH”, und dies kultivieren. Anderen tatsächlich verzeihen und sie nicht um etwas beneiden oder gar gewaltsam sich etwas aneignen wollen. Aber das geht nur mit der Entwicklung des eigenen ICH, das genährt wird vom Selbst-Bewusstsein und von der Selbst-Erkenntnis.
22.30 Uhr. Müde sitzen wir daheim bei einem Stück Brot, einem Glas Bier und reden über Gestalttherapie. Ein anstrengender Tag. Aber für ihn wie für mich ein Gewinn. Unsere Idee geht auf. Er kann mit diesem Thema die Menschen erreichen.
Heute, 24.10.2008
Der anstrengende Tag war gestern. Heute um 11.30 Uhr folgt “nur” der Vortrag am Robert-Schuman-Gymnasium. Auch dort warten ca. 120 Oberstufenschüler auf den Vortrag.
Geschrieben in Aktuelles | Keine Kommentare »
21.10.2008 von Jeremias.
Die Welt hat mich wieder. Aber… heute bekam ich ein schönes Foto zugeschickt. Da stehe ich vor dem Stift in Admont. Herrlich… ein guter Eindruck. Erinnerungen werden geweckt. Aber auch in Admont wird es abends früh dunkel, morgens wird alles im Nebel sein und die Sonne wird längst nicht mehr so oft und so lang das Tal erwärmen wie bisher. Die bunten Herbstblätter werden mehr und mehr zu Boden sinken und dann wird Schlag auf Schlag der Winter kommen.
Und hier? Hier umhüllt uns der Schulbetrieb, die Kursarbeiten und Hausaufgabenkontrollen. Ein Schüler schrieb mir heute in der 10ten Klasse: “Die Relistunde war heute richtig klasse!” - Es ging vom Thema Mythos aus um die Frage nach dem Sinn des Lebens. Denn Mythen sind Sinn-Geschichten, sie helfen uns Deutungen des Lebens auf den Sinn hin zu entdecken. Dabei haben wir die großen Kreise Freiheit, Glück und Tugenden gestreift. Eine spannende Auseinandersetzung! Hatte auch den Eindruck, dass die Schüler/innen ganz bei der Sache waren.
Aber… nicht alles klappt gut: Bei den “großen”, d.h. den 13ern war dafür die Technik defekt und das DVD-Gerät wollte einfach nicht das, was ich wollte. Mist, wenn man auf die Technik seine Stunde baut. “Dumm gelaaf” sagt der Saarländer…
Geschrieben in Aktuelles | Keine Kommentare »
20.10.2008 von Jeremias.
Was mich heute Morgen an Admont erinnerte war der Nebel. Alles grau in grau. Die Sonne bricht jetzt langsam erst durch und auch das ist in Admont nicht anders. Nun heißt es aber wieder umschalten, zum Alltagsgeschäft zurückkehren. Heute haben die Kinder wieder den Gang in die Schulen angetreten - es soll sogar welche geben, die es gerne tun, andere hingegen schleppen sich mühsam und lustlos, ein wahrer Marsch durch die Wüste des Lernens.
Ich räume erstmal aus und auf, langsames Starten auch mit Gesprächsseelsorge am Morgen und am Nachmittag, ab Morgen gehts dann auch bei mir los - muss mal schauen, was in den Klassen ansteht.
Eines ist aber klar: Ab jetzt beginnt die Heizperiode richtig, es ist kalt und ohne meinen Kamin werde ich auch nicht auskommen in den nächsten Monaten. Ach ja… mein Maulwurf hat sich im Garten auch wieder mit seiner ganzen Kraft zu Wort gemeldet. Rund 30 neue Hügelchen - aber ich ärgere mich nicht mehr, es soll wohl so sein! Ich wohne schließlich nicht am Englischen Garten.
Geschrieben in Aktuelles | Keine Kommentare »
19.10.2008 von Jeremias.
Nun bin ich also wieder in deutschen Landen. Ohne Stau, ohne Probleme über Salzburg. Habe einem Lukas in Salzburg noch zum Namenstag gratuliert und die Sonne auf der Terrasse des Hotel Stein genossen. Ein herrlicher Tag, ein nur vorläufiger Abschied von den Bergen und meinem geliebten (Kl)österreich.
Heute Nachmittag wartet in Ludwigshafen auf mich die Taufe meines Patenkindes Amadea. “Von Gott geliebt” - was für ein schöner Name, welch Lebensprogramm! Nomen est omen! Eine putzmuntere kleine Dame, die mich heute morgen mit gelben Strampelanzug begrüßt hat. Ein kleiner gelber Engel.
Und dann heißt es, wieder in den Alltag zurückkehren. Leider! Ich gestehe: es ginge jetzt auch anders… Einen schönen Sonntag!
Geschrieben in Aktuelles | Keine Kommentare »
17.10.2008 von Jeremias.
Die Zusage gilt. “Ich bin da!” - so “outet” sich Gott dem Mose im Mythos vom brennenden Dornbusch. Es ist unser brennendes Herz, unser Brennen in uns, wenn wir Gott so spüren. Es ist ein Geschenk, wenn er sich so zeigt, wie er wirklich der Seiende ist. Da muss man die Schuhe ausziehen und niederfallen.
Heute gehts in die Nähe von Altenburg zur Diakonenweihe von Fr. Michael, auch einem Benediktiner. Am Gedenktag des Märtyrers Ignatius von Antiochien (lateinisch: »feurig, glühend«), dem Bischof von Antiochien am Orontes, werden Fr. Michael die Hände aufgelegt zum Dienst an den Menschen. Ignatius von Antiochien wurde unter Kaiser Trajan mit mehreren Gefährten nach Rom gebracht, wo er spätestens 117 im Flavischen Amphitheater den Martertod erlitt. Von ihm sind sieben Briefe erhalten, in denen seine Sehnsucht nach dem Martyrium für Christus zum Ausdruck kommen. Seine Briefe geben aber auch Zeugnis davon, dass der Bischof authentischer Verkünder der Lehre, Verwalter der Sakramente und Leiter der Gemeinde in sozialen und materiellen Belangen ist. Ein Kollegium von Prebytern und Diakonen ist ihm untergeordnet. Die Gemeinde von Rom besitzt nach ihm einen Vorrang im Glauben, in der Liebe und in der Aufsicht über verwaiste Gemeinden. Ignatius von Antiochien wird dargestellt in bischöflichen Gewändern als Greis mit Löwen im Amphitheater.
Das Foto zeigt den “Raum der Stille” im Stiftsgymnasium von Admont. Das eindringende Licht lässt das Kreuz erkennen, das uns entgegenstrahl. In Jesus Christus, der die mosaische Form des “Ich bin da” in seinen Worten “Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!” wiederholt hat, hat sich Gott noch einmal gezeigt. Ganz menschlich. Haut-nah!
Geschrieben in Aktuelles | Keine Kommentare »
16.10.2008 von Jeremias.
Wer genau hinsieht kann es sehen: Das Kreuz im Fenster der Zeit. Diese Aufnahme, die ich im Kloster Admont aufgrund der Lichtverhältnisse machen konnte, regt große Nachdenklichkeit in mir an! Jeder Tag ist ein Tag weniger vom Rest meines Lebens. Mit der Geburt beginnt einerseits das Geschenk des Lebens und gewinnt Gestalt, gleichzeitig aber verrinnt die Zeit, läuft rückwärts…
Was mache ich aus meinem Leben? Kann ich meine Zeit und meine Talente sinnvoll nutzen? Bringe ich mich ganz ein? Was kann ich überhaupt?
Beides muss der glaubende Mensch im Blick haben. Das Geschenk der Zeit und das Geschenk des Glaubens. Für das eine - den Glauben - vermag er sich zu entscheiden. Er kann sich für oder gegen Gott entscheiden. Er kann sich für das eine Ausrichtung auf Gott hin oder dagegen entscheiden. Er kann Gott verleugnen, ablehnen. In seiner Freiheit kann der Mensch dies.
Er kann aber auch den Glauben als Deutung des Lebens, als “Übersinn” (Viktor Frankl) annehmen. Er kann sich in der Spannung von “irdischem und himmlischen Menschen” (Karlfried Dürckheim) bewegen und sein SELBST entdecken. Die Schwierigkeit ist, dass wir in der Kürze der uns geschenkten Zeit durch alle ICH-Rollen, die wir spielen und uns aneignen und SELBST finden müssen!
Doch wofür wir uns nicht entscheiden können ist die Zeit. Sie läuft, sie vergeht, manchmal gefühlt schneller, manchmal gefühlt langsamer. Aber sie vergeht. Im Psalm 90 heißt es: “Unser Leben währet 70 Jahr, wenn es hochkommt sind es 80. Das Beste daran ist nur Mühsal und Beschwer.” - Aber wir können die Zeit nutzen! Jede Minute können wir füllen. Mit Sinn und Sinnsuche.
Geschrieben in Aktuelles | 1 Kommentar »