Archive für 8.3.2008

Freiheit aus dem Geist!

Im letzten Jahrhundert wurden in Russland fast alle Kinder als Babys komplett eingewickelt. Hände, Füße, alles verschwand. Eine Sozialforschung fand heraus, dass sich dieser Zustand auf die Persönlichkeitsentwicklung ausgewirkt hat: Engstirnig, ängstlich, vorsichtig waren Menschen, die so aufwuchsen.Lazarus wird genauso eingewickelt! Sein Zustand stinkt zum Himmel (”Herr, er riecht schon!”). Seine Hände, Arme, Beine, sein Körper, sogar sein Gesicht (wörtlich auch: sein “Ansehen”) - alles ist eingewickelt in Leinenbinden. Er ist handlungsunfähig. Sein Zustand wird zu Beginn des Textes diagnostiziert mit: “Herr, er ist krank!” Doch dieses “Kranksein” bedeutet im Griechischen tatsächlich “ohne Stärke”, “im Glauben schwach”. Und alle Indizien weisen darauf hin: Sein Name “Eleasar” heißt “Herr, hilf!” - ein flehentlicher Bittruf ist Lebensprogramm. Sein Eingewickeltsein ist mehr ein Gefesseltsein von denen, die ihn nicht loslassen wollen, die ihn “im Griff” haben wollen. Er wird in eine Höhle gelegt, in eine Gruft - eine Art Ausgrenzung aus der Welt. Dasist etwas was wir nur allzu gut kennen! Das Wunder Jesu besteht aus drei zentralen Sätzen: “Komm heraus!” - “Macht ihn frei!” - “Lasst ihn gehen!” Es sind Befehle, Befreiungssätze! Die Freiheit, die ihm geschenkt wird, gibt ihm wieder Kraft und haucht ihm Leben ein. Der Tod war kein physischer, sondern der psychosoziale Tod, wie wir ihn kennen. Der Prophet Ezechiel sagt es zu Recht: “Gott haucht Geist ein!” und dieser Geist ist es, der “in uns wohnt”, wie Paulus es formuliert. Gott ist Leben und sein Geist bewirkt Gerechtigkeit. Hier wird einer aufgerichtet! Wir dürfen uns nicht kleinmachen lassen, nicht in die Gruft drängen lassen. Wir dürfen aus- und aufgerichtet stehen, mit der ganzen Würde unseres Menschseins! Was auch immer uns fesselt, knebelt und bindet – es ist nicht von Gott und nicht aus Gottes Geist! Gottes Geist führt alle Menschen in die Freiheit!

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